Dokumenten-ID: 300 Zuletzt verändert: Wed, 09 Jul 2014, 18:06:06 UTC Sprache: de-de Zeichensatz: utf-8 Größe: 132895

Neue Arbeit Neue Kultur e.V.
Nach­richt vom Gebäudemanagement:

für die För­de­rung des Tanz­zen­trums durch den Bund gab es in den letz­ten Wo­chen po­si­tive Si­gnale. So­mit liegt das Ge­bäude jetzt beim Bund und Land in ei­nem be­son­de­ren Fo­kus. Nach Rück­spra­che mit Herrn Dr. Flun­kert ist aus der Er­fah­rung sol­cher über­ge­ord­ne­ter städ­ti­scher Pro­jekte von ei­ner an­der­wei­ti­gen Nut­zung ab­zu­ra­ten. Die Ge­neh­mi­gung für ein ur­ba­nes Gärt­nern am Ge­bäude /​ auf der Dach­ter­rasse kann beim Bund und Land zu Ir­ri­ta­tio­nen füh­ren und die bis­her gute Ge­sprächs­ba­sis ge­fähr­den. Im Som­mer er­war­ten wir ei­nen Be­such ei­nes Mit­glie­des des Deut­schen Bun­des­ta­ges. Ich komme da­her nicht um­hin Ih­nen nun mit­tei­len zu müs­sen, dass ich die­ses durch­aus span­nende Pro­jekt nun doch nicht ge­neh­mi­gen kann.

Sollte sich für Ihr bür­ger­li­ches En­ga­ge­ment eine Per­spek­tive am Schau­spiel­haus zei­gen, komme ich gerne auf das Thema zurück.”

 
IMG_7125kleinEs ist so rich­tig und gut, dass wir alle hier in Wup­per­tal auf Brach­flä­chen diese Gär­ten an­le­gen und diese Ar­beit tun. Men­schen in­ter­es­sie­ren sich, be­geg­nen sich und kön­nen zu­sam­men fin­den, sich aus­tau­schen, Ideen ent­wi­ckeln, ent­span­nen und mit­ma­chen — auch am Hoch­beet im sit­zen.
 

Die­ser Abend hat in­ten­siv zu ei­nem Aus­tausch ge­führt mit ein­deu­ti­gen We­gen zu Veränderung .IMG_7053kleinIMG_7047klein

 

IMG_6852klein IMG_6988kleinDie Schü­ler und Schü­le­rin­nen der Klas­sen 1–4 in der Grund­schule Op­pho­fer Straße ka­men ges­tern trotz Re­gen mit ih­ren Er­zie­he­rin­nen in den Os­ters­bau­mer Ho­nig­gar­ten zum ers­ten Ken­nen­ler­nen der Bie­nen­völ­ker, die un­ser Im­ker Willi Grö­ser dort an­ge­sie­delt hat und be­treut. Die­ses Schu­lungs­pro­gramm im of­fe­nen Ganz­tag fin­det bis Ende Mai statt. Die Kin­der wa­ren sehr in­ter­es­siert und brach­ten als Gast­ge­schenk eine Hand voll Re­gen­wür­mern mit — sehr gut be­ob­ach­tet für den Gar­ten. Es ist ja auch eine Naturkunde-​​Detektiv-​​AG. In den nächs­ten Stun­den wur­den Bie­nen ge­nau un­ter die Lupe ge­nom­men, Sta­chel un­ter­sucht bei to­ten Bie­nen, Flug­ver­hal­ten, Nah­rung Bie­nen­weide ge­or­tet, Le­ben­zeit be­spro­chen und na­tür­lich im­mer wie­der die Kö­ni­gin in den Mit­tel­punkt gestellt.

Fri­dhelm Bü­chele macht zur Do­ku­men­ta­tion Film­auf­nah­men und läßt die Be­tei­lig­ten auch da­bei zu Wort kommen.

 
Die erste Schu­lung im Of­fe­nen Ganz­tag für die GGS Grund­schule Op­pho­fer Straße fin­det am Diens­tag, dem 06. Mai 2014 statt. Da­nach fol­gen wei­tere Ter­mine. Die Kin­der freuen sich schon sehr darauf.
Alle sind ein­ge­la­den, die Bie­nen zu be­sich­ti­gen, et­was dar­über zu ler­nen, sich im Gar­ten auf­zu­hal­ten und auch gern an den Se­mi­na­ren, die un­ser Im­ker ge­ben wird, teil­zu­neh­men. Gro­ßer Dank an den un­er­müd­li­chen Im­ker. Und Dank an die Stadt Wup­per­tal, die diese ge­schützte Flä­che der Öffent­lich­keit zur Ver­fü­gung stellt.

Schrei­ben Sie uns eine email.

 

 

 
Ein Mit­glied aus dem Ver­ein Neue Ar­beit — Neue Kul­tur Ber­gi­sche Re­gion e.V. Mi­chael Schu­bert hat im ver­gan­ge­nen Jahr ei­nen Vor­trag bei der INTERZUM über die Mög­lich­kei­ten des 3D-​​Druckers ge­hal­ten. In die­sem Jahr hat die Köln­messe eine Ein­la­dung mit freiem und nach Mi­cha­els Wün­schen ge­stal­te­ten Mes­se­stand zur EISENWAREN Messe vom 09.03. bis zum 12.03.2014 aus­ge­spro­chen. Es gibt meh­rere 3D-​​Drucker zu er­le­ben und “ge­druckte” Ge­brauchs­ge­gen­stände dazu und na­tür­lich jede Menge Er­fah­rung auf dem Weg von der Idee zum fer­ti­gen Teil.
An ei­nem der Mes­se­tage hat sich die Ta­ges­schau an­ge­mel­det und wird berichten.

Mi­chael Schu­berts Vor­trag: Re­vo­lu­tion 3D-​​Drucken und wa­rum wir bald Gü­ter im Wohn­zim­mer pro­du­zie­ren
11.3.2014, 15.00 Uhr und 12.3.2014, 14.00 Uhr
Die EISENWARENMESSE und das EI­SEN­fo­rum fin­den Sie:

*   In der Pas­sage 4 — 5
*   Er­reich­bar über die Ein­gänge Süd und Ost

 

 

 

Vor­trag Teil 1

http://​www​.youtube​.com/​w​a​t​c​h​?​v​=​3​X​P​7​3​O​C​m​8​L​E​&​a​m​p​;​f​e​a​t​u​r​e​=​e​m​-​s​h​a​r​e​_​v​i​d​e​o​_​u​ser

 

Vor­trag Teil 2

http://​www​.youtube​.com/​w​a​t​c​h​?​v​=​h​e​O​e​f​r​k​R​U​w​E​&​a​m​p​;​f​e​a​t​u​r​e​=​e​m​-​s​h​a​r​e​_​v​i​d​e​o​_​u​ser

 
Wir hat­ten das große Glück und das große Ver­gnü­gen mit ei­ner klei­nen Gruppe Wan­del­gärt­ne­rin­nen und mit Frau Nickl vom Ge­bäu­de­ma­nage­ment die­sen Au­ßen­be­reich des Schau­spiel­hau­ses und die große herr­li­che Ter­rasse an­zu­se­hen mit der Frage, ob wir uns hier eine ur­bane Nut­zung und Ge­stal­tung vor­stel­len könn­ten. Wir kön­nen und wol­len das sehr gern
Mit “WIR” den­ken wir an die vie­len in­ter­es­sier­ten Bür­ge­rin­nen und Bür­ger die den Ort lieben.

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Der Se­na­tor für Stadt­ent­wick­lung und Um­welt Mi­chael Mül­ler ” Ge­bäu­de­ge­bun­dene Land­wirt­schaft — eine so­ziale, tech­ni­sche und ge­stal­te­ri­sche Her­aus­for­de­rung für die Stadtentwicklung.”

Und wei­ter sagt er: “Die ur­bane Land­wirt­schaft be­rührt auch die Kon­zepte der so­zia­len Stadt­ent­wick­lung. Ge­rade in so­zia­len Brenn­punk­ten kann das städ­ti­sche Gärt­nern wich­tige Im­pulse geben.”

Das jetzt brach­lie­gende Schau­spiel­haus könnte über die­sen Weg im Au­ßen­be­reich tem­po­rär zu ei­nem ge­sell­schaft­li­chen Lern­ort wer­den, der al­len ge­nann­ten Di­men­sio­nen – ins­be­son­dere den kul­tu­rel­len – Raum gibt, um die an­ste­hen­den ge­sell­schaft­li­chen Ver­än­de­rungs­pro­zesse bes­ser zu ver­ste­hen, um Zu­künfte zu ent­wi­ckeln und Ge­le­gen­hei­ten zu bie­ten, ei­ge­nes Han­deln in diese Pro­zesse einzubringen.

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Die­ser Auf­gang zu der gro­ßen Ter­rasse wird sich nun also im neuen Jahr öff­nen und wir wer­den oben auf die­ser herr­li­chen Flä­che ei­nen be­son­de­ren Gar­ten an­le­gen  mit Ess­ba­rem, Blü­hen­dem, Kunst und Ak­tio­nen — viel­leicht als Zwi­schen­nut­zung oder auch als län­ger­fris­tig an­ge­leg­tes Gebäudekonzept.
Un­ten, ne­ben dem ehe­ma­li­gen Sei­ten­ein­gang dür­fen wir die Grün­flä­chen be­spie­len und da ist der Phan­ta­sie keine Grenze ge­setzt. Wir ha­ben spon­tal mal an Sitz­mö­bel aus Recycling-​​Materialien ge­dacht, die nach ei­ge­nen Vor­stel­lun­gen ge­baut wer­den kön­nen und an die­sem Ort zum Ver­wei­len einladen.
Bitte mel­det Euch und macht mit.

 

 

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Ein Aus­flug nach Düs­sel­dorf Voll­mers­werth zeigt die Selbst­ern­te­gär­ten. Ein Land­wirt stellt die Flä­che zur Ver­fü­gung, be­ar­bei­tet sie im Früh­jahr und bringt das Saat­gut ein. Dann kön­nen ein­zelne Klein­flä­chen ge­mie­tet und be­zeich­net wer­den für eine Gar­ten­sai­son bis Ende Ok­to­ber, Kos­ten ca. 300 €.

http://​www​.welt​.de/​r​e​g​i​o​n​a​l​e​s​/​d​u​e​s​s​e​l​d​o​r​f​/​a​r​t​i​c​l​e​1​0​8​3​6​6​3​7​2​/​D​i​e​-​e​i​g​e​n​e​-​E​r​n​t​e​-​a​u​f​-​f​r​e​m​d​e​n​-​F​e​l​d​e​r​n​.​h​tml

 

Voll­be­schäf­ti­gung ist lächerlich“

Nur noch zehn Stun­den die Wo­che ar­bei­ten? Der Phi­lo­soph Frith­jof Berg­mann hält das für die Zu­kunft  –  und hat da­für gute Gründe. Im Ge­spräch mit Flo­rian Gu­ckels­ber­ger und Ve­ro­nika Bür­klin er­klärt er, wa­rum er mit sei­nem Kon­zept der Neuen Ar­beit in Deutsch­land und Öster­reich ge­gen Wände rennt.

The Eu­ro­pean: Herr Berg­mann, was hal­ten Sie von dem Be­griff Voll­be­schäf­ti­gung?
Berg­mann: Das ist vor al­lem ein Be­griff, den ich mit Eu­ropa ver­binde. Er be­deu­tet für mich, den Kopf in den Sand zu stecken.

The Eu­ro­pean: Wie mei­nen Sie das?
Berg­mann: Es ist der Ver­such, wei­ter­zu­ma­chen und sich nicht mit den Tat­sa­chen ab­zu­fin­den. Das Ge­rede von Voll­be­schäf­ti­gung ist viel­mehr ein Be­ru­hi­gungs­mit­tel. Wer so viel reist wie ich, der durch­schaut das. Ich war bei­spiels­weise vor Kur­zem in Russ­land, und auf meine Frage, wie hoch denn die Ar­beits­lo­sig­keit in Mos­kau oder St. Pe­ters­burg sei, er­hielt ich die Ant­wort: „In etwa 90 Pro­zent“. Das kann na­tür­lich nicht ganz stim­men. Aber auch in Süd­afrika, dem Land, in dem ich am öftes­ten ge­ar­bei­tet habe, spre­chen die Men­schen ohne zu Zwin­kern von 70 bis 75 Pro­zent Ar­beits­lo­sig­keit – ent­ge­gen den of­fi­zi­el­len Behauptungen.

The Eu­ro­pean: Und wenn Sie dann wie­der in Eu­ropa sind?
Berg­mann: Dann er­scheint Voll­be­schäf­ti­gung wie ein ab­sur­der Traum. Ich spitze na­tür­lich ab­sicht­lich zu. Aber man wun­dert sich, dass es ganz of­fen­sicht­lich noch sol­che Oa­sen auf der Welt gibt. Län­der, in de­nen man die Wahr­heit of­fen­sicht­lich nicht hö­ren will. Die Idee, mit wirt­schaft­li­chem Wachs­tum die Ar­beits­lo­sig­keit ab­zu­schaf­fen, ist lä­cher­lich. In Län­dern wie Sim­babwe oder Kongo er­scheint das wie ein Witz. Das nimmt doch kein Mensch ernst. Und den­noch tun die Re­gie­ren­den so, als ob es mög­lich sei.

Viele Stu­den­ten glau­ben, dass be­reits Höh­len­men­schen Stech­uh­ren hatten“

The Eu­ro­pean: Sie dia­gnos­ti­zie­ren also eine Krise der Lohn­ar­beit.
Berg­mann: Ge­rade in der eu­ro­päi­schen Dis­kus­sion wird oft über­se­hen, dass das ge­samte Sys­tem der Ar­beit ge­gen Geld ge­rade ein­mal 200 Jahre alt ist. Viel­leicht ist selbst diese Schät­zung noch zu hoch. Wenn ich an ei­ner deut­schen Uni­ver­si­tät dar­über rede, be­schleicht mich oft der Ein­druck, dass die Stu­den­ten glau­ben, be­reits die Höh­len­men­schen hät­ten Stech­uh­ren ge­habt. Das ist doch bi­zarr! Selbst Tho­mas Jef­fer­son, ei­ner der Grün­dungs­vä­ter der USA, war Zeit sei­nes Le­bens der Auf­fas­sung, dass Bau­er­nar­beit un­ver­gleich­lich wert­vol­ler sei als Lohnarbeit.

The Eu­ro­pean: Wa­rum ha­ben wir Deut­sche das Ih­rer Mei­nung nach noch nicht be­grif­fen?
Berg­mann: Ich sehe in Deutsch­land eine be­son­dere Ge­fahr, da Lohn­ar­beit hier be­son­ders tief ver­wur­zelt ist. Ein­fach, weil der So­zia­lis­mus – sym­bo­li­siert durch das bär­tige Ge­sicht von Karl Marx – be­kann­ter und ver­brei­te­ter ist als etwa in den USA. Der So­zia­lis­mus scheint hier we­ni­ger tot als dort. Es gab also folg­lich die Be­mü­hung, eine an­dere, mensch­li­chere, Form der Lohn­ar­beit zu ent­wi­ckeln. Die­sen eher po­si­ti­ven Blick auf so­zia­lis­ti­sche Ideen hat es in Ame­rika nicht gegeben.

The Eu­ro­pean: Ihre Al­ter­na­tive ist die so­ge­nannte „Neue Ar­beit“. Wie müs­sen wir uns das vor­stel­len?
Berg­mann: Mir geht es um ein ge­misch­tes Ar­beits­sys­tem, das so­zu­sa­gen nicht al­les auf eine Karte setzt. Am An­fang steht eine Drei­tei­lung: Zwi­schen sie­ben und zehn Stun­den je Wo­che be­treibt der Mensch hoch­tech­no­lo­gi­sche Selbst­ver­sor­gung. Ich war sel­ber drei Mal im Le­ben Bauer und halte die Idee der Selbst­ver­sor­gung, Eier, But­ter und Fleisch selbst her­zu­stel­len, für sehr viel mensch­li­cher als die Müh­len der Lohn­ar­beit. Auch die De­batte um den 3D-​​Drucker zeigt das: Da geht es na­tür­lich um viel mehr als Le­bens­mit­tel, etwa Or­gane oder Er­satz­teile für Au­tos. Wei­tere sie­ben bis zehn Stun­den je Wo­che ge­hen wir der tra­di­tio­nel­len Lohn­ar­beit nach – ohne Geld geht es eben nicht. Das dritte Ele­ment der „Neuen Ar­beit“ schließ­lich ist das, was man „wirk­lich, wirk­lich tun will“ – da­mit meine ich den Her­zens­wunsch, die Be­loh­nung. Das, wor­auf wir echt stolz sind. Je­der Mensch sollte die Mög­lich­keit ha­ben, sol­che Art von Ar­beit zu tun.

The Eu­ro­pean: Also ein an­de­res Wort für Hobby?
Berg­mann: Nein. Schon He­gel hat von der „Ar­mut der Be­gierde“ ge­schrie­ben: Sehr vie­len Men­schen fällt es un­glaub­lich schwer, her­aus­zu­fin­den, was sie wirk­lich, wirk­lich wol­len. Ein Hobby ist et­was, was man häu­fig tut, weil man zu faul ist, her­aus­zu­fin­den, was man wirk­lich, wirk­lich will. Da ge­nügt dann ein Hobby. Die „Neue Ar­beit“ hin­ge­gen will viel mehr: Es geht um die Be­ru­fung des Men­schen. Im Ame­ri­ka­ni­schen hat sich da­für das cal­vi­nis­ti­sche Wort „Cal­ling“ durch­ge­setzt. Es be­schreibt das Ge­fühl, et­was zu tun, was mich erst zum Men­schen macht.

The Eu­ro­pean: Idea­ler­weise fal­len Be­ruf und Be­ru­fung doch zu­sam­men. Lohnt es also nicht viel mehr, die Qua­li­tät der Ar­beits­plätze selbst ins Auge zu fas­sen?
Berg­mann: Die drei As­pekte der „Neuen Ar­beit“ sind na­tür­lich nicht voll­stän­dig von­ein­an­der zu tren­nen. Ein gu­tes Bei­spiel ist das Of­fene Tech­no­lo­gie­la­bor OTELO in Ober­ös­ter­reich. Hier prak­ti­zie­ren wir ge­nau das, was Sie ge­rade vor­ge­schla­gen ha­ben. Die Leute wer­den dazu ein­ge­la­den, das zu tun, was sie wirk­lich, wirk­lich wol­len und da­mit auch noch Geld zu ver­die­nen. Auch wenn das oft leich­ter ge­sagt ist als getan.

Was Men­schen wirk­lich, wirk­lich wollen“

The Eu­ro­pean: Be­für­wor­ter des Be­din­gungs­lo­sen Grund­ein­kom­mens – etwa Götz Wer­ner in un­se­rer letz­ten Ti­tel­de­batte – ver­wei­sen im­mer wie­der auf die re­sul­tie­rende öko­no­mi­sche Un­ab­hän­gig­keit. So wür­den Men­schen er­mäch­tigt, ih­ren Le­bens­un­ter­halt mit ei­ner Ar­beit zu ver­die­nen, die sie tun wol­len – und nicht tun müs­sen. Deckt sich das mit Ih­ren Vor­stel­lun­gen von er­füll­ter Ar­beit?
Berg­mann: Ich kenne Herrn Wer­ner seit lan­ger Zeit, und wir ha­ben da un­sere Dif­fe­ren­zen. Ich glaube nicht, dass man Men­schen mit Geld zu dem bringt, was sie wirk­lich, wirk­lich wol­len. Ich habe viel mit ame­ri­ka­ni­schen Ur­ein­woh­nern ge­ar­bei­tet, und die ha­ben ja heute schon ein sol­ches Grund­ein­kom­men, da sie von der US-​​Regierung Ent­schä­di­gun­gen für einst ge­raub­tes Land er­hal­ten. Und trotz die­ser Frei­heit stel­len sie al­ler­lei schreck­li­che Dinge an – se­xu­elle Ge­walt, häus­li­che Ge­walt, Al­ko­hol­miss­brauch. Wenn man Men­schen re­gel­mä­ßig ei­nen knapp zum Le­ben aus­rei­chen­den Be­trag über­weist, dann hat das furcht­bare Kon­se­quen­zen. Ein zwei­ter Punkt ist die Zeit, bis die ver­meint­lich po­si­ti­ven Ef­fekte des be­din­gungs­lo­sen Grund­ein­kom­mens grei­fen. 30 Jahre – so die Pro­gnose – sind aber viel zu lang, so viel Zeit ha­ben wir nicht.

The Eu­ro­pean: Zwei Ge­gen­ar­gu­mente: Die Höhe des Grund­ein­kom­mens ist na­tür­lich ent­schei­dend. Es muss schon ein we­nig mehr sein als das ab­so­lute Über­le­bens­mi­ni­mum. Und im Fall der Ur­ein­woh­ner spie­len auch wei­tere Fak­to­ren eine Rolle, etwa die struk­tu­rel­len Pro­bleme beim Zu­gang zu Le­bens­chan­cen.
Berg­mann: Na­tür­lich, aber ver­gleich­bare Ver­su­che in Afrika wa­ren ähn­lich ent­mu­ti­gend. Wenn das Geld knapp wird, und das pas­siert na­tür­lich un­wei­ger­lich, sieht man die gro­ßen Schwä­chen die­ses Modells.

The Eu­ro­pean: Ver­ste­hen die Men­schen Ihr Kon­zept der „Neuen Ar­beit“?
Berg­mann: Seit ich das Pro­gramm in den frü­hen 1980er-​​Jahren ent­wi­ckelte, habe ich im­mer wie­der da­mit zu kämp­fen, dass die Men­schen es auf ein oder zwei Schlag­worte re­du­zie­ren wol­len. Das war von An­fang an das Ge­gen­teil von dem, was ich wollte. Es ging mir im­mer darum, et­was zu ent­wer­fen, was nicht so­fort zu ver­ste­hen ist. Et­was, das wirk­lich neu ist. An­ders als der Ka­pi­ta­lis­mus, an­ders als der So­zia­lis­mus. Und das mag trot­zig klin­gen, aber ich hatte recht: We­der Ka­pi­ta­lis­mus noch So­zia­lis­mus ha­ben die Jahr­zehnte heil über­stan­den. Wenn wir nicht wirk­lich et­was Neues er­fin­den, wird es zu ei­ner Ka­ta­stro­phe kommen.

The Eu­ro­pean: Sie ha­ben ge­schrie­ben, Lohn­ar­beit ver­krüp­pele den Men­schen – und zwar 20 Jahre, be­vor sich heu­tige De­bat­ten zur Ar­beits­welt um Schlag­worte wie „Burn-​​out“ und „Work-​​Life-​​Balance“ dre­hen. Hört man Ih­nen heute eher zu?
Berg­mann: Hät­ten mir die Leute nicht zu­ge­hört, hätte ich wohl schon längst auf­ge­hört. In mei­ner Vor­stel­lung sind Deutsch­land und Öster­reich Oa­sen und ganz an­ders als der Rest der Welt. In Russ­land, In­dien, China und den afri­ka­ni­schen Län­dern ist die Si­tua­tion ganz un­er­hört an­ders, und übe­r­all dort wird mein Kon­zept der „Neuen Ar­beit“ auch viel eher ak­zep­tiert. Die Deut­schen den­ken noch im­mer, ir­gend­wann käme sie schon, die Voll­be­schäf­ti­gung. Vor al­lem jetzt, wo sich die Kon­junk­tur er­holt. Kein Afri­ka­ner würde Ih­nen diese Er­zäh­lung abkaufen.

The Eu­ro­pean: Wie wür­den Sie die letz­ten drei Jahr­zehnte Ih­rer Ar­beit bi­lan­zie­ren?
Berg­mann: Ich werde im­mer häu­fi­ger von Re­gie­run­gen ein­ge­la­den. Letz­tens etwa in Le­so­tho. Und ich merke, dass mir zu­ge­hört wird. Ich selbst war ein schlech­ter Schü­ler – wie so viele an­dere Men­schen, und ich kann kaum glau­ben, dass mir diese er­lauch­ten Men­schen heute tat­säch­lich zu­hö­ren. Als ich an­fing, über die Ar­beit nach­zu­den­ken, war ich stark von Al­bert Ca­mus be­ein­flusst. Und der sagte, das Le­ben sei sinn­los. Da dachte ich mir: Wenn es tat­säch­lich sinn­los ist, ma­chen wir doch das Beste draus. Dann habe ich aus dem Nichts her­aus ein neues Ge­sell­schafts­kon­zept ent­wi­ckelt: Geht es noch sinn­lo­ser? Mir wurde aber schon 1980–1981 klar, dass aus mei­ner schein­bar sinn­lo­sen Idee doch et­was wer­den würde, wor­über die Leute nachdenken.

The Eu­ro­pean: Sie ha­ben als Tel­ler­wä­scher, Preis­bo­xer, Selbst­ver­sor­ger und Phi­lo­so­phie­pro­fes­sor meh­re­rer Ivy-​​League-​​Universitäten ge­ar­bei­tet. Was da­von ha­ben Sie wirk­lich, wirk­lich gerne ge­macht?
Berg­mann: Es gab viele Si­tua­tio­nen in mei­nem Le­ben, in de­nen ich Nein ge­sagt habe. Schon als 17-​​Jähriger war mir klar, dass ich trotz pro­tes­tan­ti­schem El­tern­haus nicht als Pfar­rer ar­bei­ten will. Im­mer wenn ich Nein ge­sagt habe, habe ich et­was ge­macht, was ich wirk­lich, wirk­lich wollte. Als ich meine ver­meint­li­che Traum­pro­fes­sur in Stan­ford an­nahm, wurde mir nach we­ni­gen Mo­na­ten klar, dass es die­ser Job ein­fach nicht ist. Da­vor hatte ich schon Prin­ce­ton ab­ge­sagt. Nein danke, das ist nicht das, was ich wirk­lich, wirk­lich will.

 
Hallo alle,
lade hier­mit alle herz­lich ein, am Mitt­woch 11.9. um 18 Uhr
in die City-​​Messehalle, Rott­str. 26, Essen-​​City zu kom­men (An­fahrt hier…)
Dann kann sich jede® die Räum­lich­kei­ten ein­mal an­schauen, wir re­den über das, was bis­her an Ideen zu­sam­men­ge­kom­men ist und über­le­gen, wie wir wei­ter machen. Vorab hab’ ich al­les zu­sam­men­ge­fasst (schaut bitte hier: www​.alt​-​a​.de), so wie es bis­her ver­stan­den habe,…  R. Wiesemann
Chris­tine Nordmann
Ich bin dort ge­we­sen und habe er­lebt wie Rein­hard Wie­se­mann in­mit­ten von etwa 60 Per­so­nen, jung und älter, be­kannt und neu, die vie­len Bei­träge vom “schön alt wer­den” hört, hin­ter­fragt und auf den Weg zu ei­ner Mög­lich­keit bringt. Wir ha­ben auch über eine Ver­net­zung mit Wup­per­tal gesprochen.
Die Mes­se­halle ist eben­er­dig di­rekt vom Bür­ger­steig aus zu er­rei­chen und hat ein Un­ter­ge­schoss, das über eine Rampe von der Hof­seite an­ge­fah­ren wer­den könnte.
Es soll un­be­dingt ge­müt­lich wer­den, Raum für per­sön­li­che Ge­sprä­che bie­ten und jede Menge an­re­gende Tä­tig­kei­ten mög­lich ma­chen. In be­stimm­ten Zeit­ab­schnit­ten gibts kleine Mes­se­stände mit the­men­be­zo­ge­nen Artikeln.

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Auch bei Dun­kel­heit geht es mit der Ar­beit nach lan­gem Ar­beits­tag wei­ter. Re­spekt an Euch alle.

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Die NANK-​​Webseite wird jetzt von der Web­seite der Stadt aus ver­linkt. Siehe hier  http://​www​.wup​per​tal​.de/​r​a​t​h​a​u​s​-​b​u​e​r​g​e​r​s​e​r​v​i​c​e​/​f​i​n​a​n​z​e​n​/​1​0​2​3​7​0​1​0​0​0​0​0​5​1​9​7​0​9​.​php rechts am Rand un­ter “Ex­terne Links”.
DANKE an Die­ter Hofmann !!
 
Wandelkino6.9.2013-P1050919Wandelkino6.9.2013-P1050918Ein Film­abend, der durch die ge­lun­gene Frei­bur­ger In­itia­tive zur so­li­da­ri­schen Land­wirt­schaft “sich die Ernte tei­len” uns die­sem Thema der Selbst­ver­sor­gung im­mer mu­ti­ger nä­her bringt.
Die Mit­glie­der erhalten:
Qua­li­tät. fri­sche, le­bens­spen­den­den Nahrungsmittel.
Trans­pa­renz, sie wis­sen, wo und wie die Nah­rungs­mit­tel an­ge­baut wer­den, wer sie an­baut und zu wel­chen Kosten.
Re­gio­nale Nach­hal­tig­keit, öko­no­mi­sche Struk­tu­ren, durch die eine le­ben­dige lo­kale Land­wirt­schaft ge­stärkt wird.
Er­fah­rungs­räume und Bil­dung, die Mög­lich­keit, sich Wis­sen über den An­bau und die Her­stel­lung von Le­bens­mit­teln und über die Pflege der Erde zu erwerben.
Emo­tio­nale Bin­dung, sie sind sich ih­rer Be­zie­hung zur Erde, dem Land und zu den Pro­zes­sen. die un­ser Le­ben mög­lich ma­chen, bewußt.
www​.so​li​da​ri​sche​-land​wirt​schaft​.org

 

 

 

 

 

IMG_5649kleinDer nächste Win­ter kommt be­stimmt.

 

 

War ich doch auf ei­ner Ge­schäfts­reise in Po­len, 200 km süd­lich von Dan­zig, also in Byd­goszcz. Um den ewi­gen Re­stau­rant­be­su­chen zu ent­ge­hen, sind mein neuer Ar­beits­kol­lege Otto und ich, Mi­chael, in den na­he­lie­gen­den Su­per­markt na­mens TESCO ge­lau­fen. Tesco ist ei­ner der größ­ten Su­per­markt­ket­ten aus Groß­bri­tan­nien und ist da­bei, in Po­len rie­sige Su­per­märkte auf­zu­bauen. Der Un­ter­schied zu Real oder Edeka in Deutsch­land ist fast nicht aus­zu­ma­chen, bis auf eine in­ter­es­sante Kleinigkeit:

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Es gab im Su­per­markt Un­men­gen an Pa­let­ten von Ein­weck­glä­ser, lee­ren Mar­ma­lade– und Gur­ken­glä­sern, so­wie eine große Menge Ein­mach­zu­be­hör, Be­häl­ter und Werk­zeuge. In Po­len scheint es noch eine aus­ge­prägte Kul­tur der Selbst­ver­sor­gung zu ge­ben. Ende Juli hörte ich auf Deutsch­land­funk zu­fäl­lig eine Re­por­tage  über die Ent­wick­lung in Po­len. Darin wurde be­schrie­ben, dass Po­len mit ei­ner ra­san­ten Ge­schwin­dig­keit die west­li­che Le­bens­kul­tur ver­sucht zu ad­ap­tie­ren. Hof­fent­lich bleibt den Po­len das Thema Selbst­ver­sor­gung er­hal­ten, es könnte je­doch ein Re­likt der Ver­gan­gen­heit sein und in 5 Jah­ren wer­den diese nütz­li­chen Uten­si­lien in Fach– und Bau­märkte ver­bannt. Auf das Sie dann, Jahre spä­ter wie­der auf­tau­chen, weil das zum sog. Life­style in Deutsch­land und Hol­land ein­fach wie­der da­zu­ge­hort. Bleibt nur noch die Frage, wann es bei uns wie­der nor­mal wird, im Su­per­markt wie­der eine große Aus­wahl an Selbst­ver­sor­ge­ru­ten­si­lien zu finden?

Der Um­tausch­kurs von pol­ni­schen Zloty zu Euro be­trägt ca 4 zu 1, 6 Jum­boglä­ser kos­ten im An­ge­bot ca 10 Zloty, also pro Glas im Sech­ser­pack etwa 42 Eu­ro­cent. Also ich würde so ei­nige für Herbst bei dem An­ge­bot schon­mal be­reit­stel­len, lei­der war meine Rei­se­ta­sche ein­fach zu klein.

In­ter­es­sant war auch, das lo­kale An­bie­ter Tief­kühl­ware un­ver­packt zum Sel­ber­por­tio­nie­ren gibt. Lei­der wird das Wort “BIO” eher sel­ten ge­nannt. Aber, das wird bald laut DLF auch in Po­len populär.IMG_2214

 

 
Frithjof Bergmann SN 1.6.2013Frith­jof Berg­mann wollte nicht Pfar­rer wer­den und wan­derte aus Frith­jof Berg­manns Va­ter war pro­tes­tan­ti­scher   Pfar­rer in Hall­statt in Ober­ös­ter­reich. „Er wollte, dass ich Pfar­rer werde, ich wollte aber nicht, das hat dazu ge­führt, dass ich in die USA aus­ge­wan­dert bin“, er­zählt er. „Ich konnte Nein sa­gen.“ Der eme­ri­tierte Pro­fes­sor für Phi­lo­so­phie  und An­thro­po­lo­gie an der Uni von Mi­chi­gan in Ann Ar­bour grün­dete 1984 die Be­we­gung „New­Work –    New Cul­ture“, zu­nächst um den vie­len Men­schen, die nach der Schlie­ßung meh­re­rer Au­to­mo­bil­werke ih­ren Job ver­lo­ren hat­ten, eine neue Per­spek­tive zu ge­ben. Im Zen­trum steht die For­de­rung nach ei­nem sinn­er­füll­ten und   selbst­be­stimm­ten Le­ben, bei dem die Men­schen dort, wo sie le­ben, de­zen­tral die Ar­beit tun, die sie wirk­lich tun möchten.
Die Per­so­nen­be­schrei­bung ent­stand im Zuge des Ar­ti­kels “Junge sol­len das Un­ge­wöhn­li­che wa­gen” von Ka­rin Zau­ner von  SAMSTAG, 1. JUNI 2013 und ist in den Salz­bur­ger Nach­rich­ten erschienen.

 

Wan­del. Der Phi­lo­soph Frith­jof Berg­mann wurde oft be­lä­chelt. Heute sind Wirt­schafts­ka­pi­täne sehr nett zu ihm. KARIN ZAUNER
Lang und oft wur­den seine Ideen mit Kopf­schüt­teln be­dacht. Das quit­tierte Frith­jof Berg­mann stets mit dem Satz,  Kopf­schüt­teln sei gut für den Kreis­lauf. Doch mit dem Kopf­schüt­teln ist es vor­bei. Heute ho­len  sich Wirt­schafts­ka­pi­täne Rat bei dem 82-​​Jährigen, wie etwa jene bei Google. Berg­mann war Tel­ler­wä­scher, Preis­bo­xer, Phi­lo­so­phie­pro­fes­sor in den USA und Grün­der der Zen­tren für „Neue Ar­beit“: Der ge­bür­tige Sachse, der in Hall­statt in Ober­ös­ter­reich auf­ge­wach­sen ist, hat be­reits vor ei­nem Vier­tel­jahr­hun­dert auf Pro­bleme von heute auf­merk­sam ge­macht. Man sagt über ihn: Er habe et­was Pro­phe­ten­haf­tes. „Zu mei­ner ei­ge­nen Über­ra­schung pas­siert oft das, was  ich Jahre zu­vor vor­aus­ge­sagt habe“, meint er im SN-​​Interview.
SN: Sie sa­gen, die Men­schen müss­ten mit Freude ar­bei­ten und et­was für sie Sinn­vol­les tun. Das will wohl je­der. Aber wa­rum ge­lingt das so wenigen?
Berg­mann: Wir  brau­chen eine grund­sätz­lich an­dere Wirt­schaft. In der jet­zi­gen Wirt­schaft ist es nur in Aus­nah­me­fäl­len so, dass die Ar­beit die Men­schen er­füllt und be­geis­tert. Ar­beit kann er­schöp­fen, ver­bren­nen und tö­ten, aber sie kann den Men­schen auch Kraft und dem Le­ben Sinn ge­ben. Ich möchte das mit ei­nem Bild er­klä­ren. Sex muss schon sehr gut sein, um je­man­den, der ge­rade mit Be­geis­te­rung an et­was ar­bei­tet, los­zu­rei­ßen. Sol­che Ar­beit müs­sen wir ha­ben. Meine Ar­beit zielte im­mer dar­auf ab, dass eine völ­lig an­dere Wirt­schaft nö­tig ist, auf die­ser Ba­sis kann dann die neue Or­ga­ni­sa­tion der Ar­beit ent­wi­ckelt wer­den. Und das ma­chen wir schon mit ei­ner Fülle von Er­fol­gen. Ohne eine  neue Wirt­schaft wird das aber nicht All­ge­mein­gut werden.
SN: Ihr Re­zept ge­gen Mas­sen­ar­beits­lo­sig­keit und Bil­lig­jobs  heißt, je­der Ort soll seine ei­gene kleine Fa­brik ha­ben, also mehr auf Selbst­ver­sor­gung set­zen. Jene Fa­bri­ka­to­ren, die Sie schon vor ei­nem Jahr­zehnt be­schrie­ben ha­ben, gibt es heute in Form von 3-​​D-​​Druckern auch für den  Haus­ge­brauch. Kom­men Sie mit Ih­ren Ideen schön lang­sam ans Ziel?
Berg­mann: Die Neue Ar­beit braucht  ent­wi­ckelte neue Tech­no­lo­gien. Da­mit ist heute eine ver­sor­gende Wirt­schaft mög­lich, also ei­ne­Wirt­schaft,  die­Men­schen un­ter­stützt, kräf­tigt und wei­ter­ent­wi­ckelt, vor al­lem die geis­tige Di­men­sion des Men­schen. Es geht um eine Wirt­schaft, in der das Ma­te­ri­elle zum Ver­sor­gen dient. Die Mi­nia­tu­ri­sie­rung ist ein gro­ßer Fort­schritt und lässt  Mi­kro­fa­bri­ken zu. Mit Fa­bri­ka­to­ren kann man wohl keine Boe­ing 747 her­stel­len und auch nicht Sei­den­strümpfe, aber sie kön­nen da­mit eine Fülle von Din­gen auf in­no­va­tive Art und Weise pro­du­zie­ren, und sie ha­ben die  Mög­lich­keit, Mi­kro­fa­bri­ken auf­zu­bauen. Wir kön­nen uns heute eine Welt vor­stel­len, in der je­des Dorf eine Fa­brik ha­ben kann, weil sie klein und güns­tig ge­wor­den ist.

 

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SN: Kön­nen Sie kon­krete Bei­spiele für Pro­jekte der „Neuen  Ar­beit“ beschreiben?
Berg­mann: Vor ei­nem Jahr ha­ben wir in Steyr in Ober­ös­ter­reich ein Elek­tro­mo­tor­rad zum  Sel­ber­bauen auf die­ser Ba­sis ent­wor­fen. Es wurde in ei­ner klei­nen Werk­statt zu­sam­men­ge­setzt. Dazu hat eine Gruppe von Un­ter­neh­mern ein Kon­sor­tium ge­grün­det. Der Name des Mo­tor­rads ist „Der Stey­rer“. Die Ver­mark­tung  ist bis­her we­ni­ger ge­lun­gen als er­hofft. Aber auch das passt, denn es ist sei­ner Zeit vor­aus. Jetzt ar­beite ich sehr  in­ten­siv in De­troit. In Län­dern, in de­nen die Si­tua­tion schlech­ter ist, ist die Ak­zep­tanz der Neuen Ar­beit viel grö­ßer  als in Län­dern, in de­nen es gut geht. In De­troit sind in den ver­gan­ge­nen Jah­ren 70 Pro­zent der Ar­bei­ter in der  Au­to­in­dus­trie ar­beits­los ge­wor­den. Und die Jobs kom­men nicht zu­rück. In De­troit ist man sehr nett zu mir. Man  hört mir zu, weil ich Bei­spiele da­für zur Hand habe, dass das, was un­glaub­lich schien, sich als rich­tig er­wie­sen hat.  Ich habe schon 1994 in De­troit mit den ur­ba­nen Gär­ten und der Ge­mü­se­pro­duk­tion angefangen.
Frü­her galt das als Schnaps­idee, heute ist De­troit be­kannt da­für und die ur­ba­nen Gär­ten sind welt­weit zu finden.
SN: Mei­nen Sie, in  Öster­reich geht es uns noch zu gut, als dass wir uns auf neue Ideen einlassen?
Berg­mann: Ich hoffe, dass die Ant­wort  nein ist. In Öster­reich wird der Ein­druck er­weckt, es laufe al­les sehr gut. Doch es geht dem Land bei­Wei­tem nicht so  gut, wie es dar­ge­stellt wird. Schauen Sie sich Ge­mein­de­fi­nan­zen, Kin­der­ar­mut oder Burn-​​out-​​Quoten an. Da­her glaube ich an ei­nen ra­san­ten Um­schwung. Die Krise nach 2008 hat nicht ge­nügt. Et­was Ähn­li­ches in na­her Zu­kunft  wird aber grund­sätz­li­che Ver­än­de­rung brin­gen. In Vor­trä­gen in Deutsch­land und Öster­reich spre­che ich oft da­von,  dass Sie hier eine schrump­fende Oase sind. Ich bin ge­rade für Öster­reich sehr pes­si­mis­tisch, dass es ei­nen Übergang  in eine neue Wirt­schafts­form fin­det. Öster­reich be­rei­tet sich we­ni­ger als je­des an­dere Land auf der­Welt auf  Ver­än­de­rung vor, weil es sich in der Si­cher­heit wiegt, dass sich seit Ma­ria The­re­sia nichts We­sent­li­ches ver­än­dert  hat.
SN: Wie ar­bei­ten wir in Zukunft?
Berg­mann: Wir le­ben in dem Pen­del zwi­schen Ent­we­der und Oder. Das  Ent­we­der ken­nen wir alle, es kann ent­setz­lich wer­den, das Oder ist un­ge­schrie­ben. Man hat kaum eine Idee von der  Al­ter­na­tive, das ist vage. Es sind haupt­säch­lich ein paar grüne Ideen, die nicht so ernst ge­nom­men wer­den. Das  Grüne muss sich mit der Neuen Ar­beit, der neuen Wirt­schaft ver­knüp­fen. Un­sere Auf­gabe ist es, die Al­ter­na­tive  sicht­bar zu ma­chen. Dazu dient der Be­griff der Dör­fer, in de­nen eine Fa­brik steht, sehr gut. Wenn wir es klug  ma­chen, wer­den wir in Zu­kunft un­ge­fähr ein Drit­tel in der ver­sor­gen­den Öko­no­mie ar­bei­ten, also Ge­müse in ur­ba­nen Gär­ten pro­du­zie­ren oder elek­tri­sche Mo­tor­rä­der wie in Steyr. Je­der Mensch wird zwölf Stun­den in die­sem  Seg­ment ar­bei­ten. Dann wird er zu ei­nem Drit­tel in Un­ter­neh­men ar­bei­ten, die sich nach der Neuen Ar­beit  aus­rich­ten. Denn wir wis­sen, dass die Ar­beit un­ver­gleich­lich bes­ser wird, wenn je­mand eine Ar­beit tut, die er wirk­lich tun will. Wenn Men­schen das ar­bei­ten, was sie wol­len, ist ihre Be­geis­te­rung un­gleich grö­ßer. Und das dritte  Drit­tel wird der Mensch da­mit ver­brin­gen, das zu tun, was er schon im­mer tun wollte, was schon im­mer sein Traum war.
SN: Wis­sen denn die Men­schen so ge­nau, was sie wirk­lich wollen?
Berg­mann: Wir ha­ben eine Ar­mut der  Be­gierde. Die Auf­gabe je­des Zen­trums für Neue Ar­beit ist es, das Wol­len raus­zu­kit­zeln, da­mit es für Men­schen kla­rer  wird, was sie tun möch­ten. Dazu muss man die­Mög­lich­keit schaf­fen, viele un­ter­schied­li­che Dinge  aus­zu­pro­bie­ren. Man kann das nicht durchs Knöp­fe­zäh­len her­aus­fin­den, son­dern nur durchs Ex­pe­ri­men­tie­ren. Hier  kri­ti­siere ich auch un­ser Ar­beits­sys­tem und die Schule. Denn die jün­gere Ge­ne­ra­tion wird nicht dazu an­ge­hal­ten, Neues und Un­ge­wöhn­li­ches aus­zu­pro­bie­ren. El­tern ma­chen den Kin­dern kei­nen Mut, son­dern sa­gen: Macht et­was  Ver­nünf­ti­ges, et­was Realistisches.

Der Ar­ti­kel “Junge sol­len das Un­ge­wöhn­li­che wa­gen” von Ka­rin Zau­ner von  SAMSTAG, 1. JUNI 2013 ist in den Salz­bur­ger Nach­rich­ten er­schie­nen und wurde un­se­rem Ver­ein mit freund­li­cher Ge­neh­mi­gung als Blog­bei­trag freigegeben.

 
John Pe­ter­son wächst mit Land­wirt­schaft auf und über­nimmt die Farm der El­tern, die er durch die gro­ßen wirt­schaft­li­chen Kri­sen führt. Er pro­vo­ziert und re­bel­liert gern auf seine ganz ei­gene ex­zen­tri­sche Art.
Sein Weg führt ihn letzt­end­lich zur so­li­da­ri­schen Landwirtschaft.

Wir ge­hen mit vie­len neuen und be­stä­tig­ten Ge­dan­ken nach Hause. Zu­sam­men kön­nen wir viel bewegen.

 
 
 

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